Jetzt Aktien kaufen?

“Nehmen Sie, wenn andere geben wollen!” – Immer wieder wird vom Herdentrieb an den Börsen gesprochen. Das blinde Mitschwimmen mit der Masse der Anleger ist gefährlich. Daraus lässt sich ableiten, dass man dann Aktien kaufen sollte, wenn man absolut keine Lust dazu hat! Nun, der Montag dieser Woche hat wohl zahlreichen weiteren Markteilnehmern den Schneid abgekauft und zu einem neuen Stimmungstief geführt. Zeit also, um gemäss dem oben erwähnten Contrarian-Argument neue Aktienpositionen aufzubauen?

Gemessen an den Schlusskursen vom Montag (29.9.08) waren 78.2% aller Aktien im S&P500-Index (übrigens zur Zeit nicht mehr 500…) überverkauft. Diese Aktien befinden sich mehr als eine Standardabweichung unter dem 50-Tage gleitenden Durchschnitt. Solche Situationen sind eher selten. Der nebenstehende Chart zeigt alle Zeitpunkte, in denen mehr als 75% der Aktien im S&P500 überverkauft waren. Zahlreiche sehr gute Kaufgelegenheiten lassen sich finden. Aber vorsicht: Im Juli 2002 hat die überverkaufte Phase fast den ganzen Monat gedauert. Und die Gegenbewegungen im aktuellen Bear-Markt waren jeweils sehr kurz.

Wer die aktuelle Marktsituation für Aktienkäufe nützt, sollte dies also keinesfalls ohne Stop-Loss-Limite tun! Also bereits beim Einstieg definieren, wo die Schmerzgrenze liegt. Wo einem “die Sache” zu bunt wird. Buy and Hold wird in diesen Märkten kaum funktionieren.

Quelle: http://bespokeinvest.typepad.com/

Öl-Futures – Ein Blick hinter die Kulissen

Die Meldung bei NZZ Online (23.11.08, 11.18h) liest sich harmlos: “Die Unsicherheit um das US-Hilfspaket für die Banken hat den Dollar auf Talfahrt und das Erdöl in die höhe Getrieben. Noch nie war der Erdölpreis so schnell so hoch gestiegen. Wie gross die Nervosität derzeit ist, zeigt sich daran, dass die Erdöl-Notierungen am Dienstag aber bereits wieder deutlich nach unten korrigiert haben.”

Da hat die liebe NZZ (für einmal) nur die halbe Wahrheit geschrieben. Die enormen Ausschläge im Öl-Future vom Montag klingen verdächtig nach Short Squeeze! Worum geht’s?

Wer in Rohöl investiert, kauft nicht das Öl selbst. Er schliesst ein Termingeschäft auf Öl ab. Er schliesst also heute ein Geschäft ab, das zu einem späteren Zeitpunt statt finden wird. Wenn dieses Geschäft standardisiert wird (Ölqualität, Menge, Liefertag), wird es handelbar: ein Future.

Nun, bei Verfall muss das Geschäft glatt gestellt oder verlängert werden. Kein Investor will das Öl nach Hause geliefert bekommen. Er will nur an der Preisentwicklung partizipieren. Glatt stellen bedeutet, das Geschäft zu schliessen. Die Verlängerung der Investition wird allgemein als “rollen” bezeichnet. Bei einer bestehenden Short-Position (der Investor rechnete mit sinkenden Ölpreisen) wird der alte Kontrakt (Oktober) gekauft und der nächste Kontrakt (November) verkauft. Dies kann zu starken Kursausschlägen und hektischen letzten Handelsstunden in einem Kontrakt führen. Was geschah also am Montag?

Oktober- (frontmonth) und November-Kontrakt (nextmonth)

Öl-Future: Oktober- (frontmonth) und November-Kontrakt (nextmonth)

Offensichtlich gab es kurz vor Verfall noch zahlreiche Short-Positionen im Markt. Diese investoren mussten noch vor Handelsschluss Öl-Kontrakte kaufen. Ansonsten hätten sie Öl (welches sie nicht haben) liefern müssen. Es schein ziemlich schwierig gewesen zu sein, eine Gegenpartei zu finden, die den willigen Käufern einen Kontrak verkauft hätte. Die Käufer mussten immer mehr bieten und trieben so den Preis bis auf die Höchstmarke von USD 123 pro Fass. Der gleichzeitige Verkauf (rollen) des November-Kontrakts brachte aber nur USD 109 ein. Ein ziemlich happiger Rollverlust.

Spread Frontmonth-Nextmonth

Spread Frontmonth-Nextmonth

“Noch nie…” tönt im NZZ-Artikel etwas spektakulär. Diese Grafik zeigt, dass es in der Vergangenheit schön öfters solche “Verwerfungen” am Verfalltag gegeben hat. In absoluten Zahlen ausgedrückt, hat die NZZ natürlich recht. Stellt man die Differenz von Frontmonth zu Nextmonth aber grafisch dar, relativiert sich das Bild.

Wie auch immer, das spannende Ereignis vom Montag gibt “Live-Anschauungsunterricht” an den Future-Märkten. Es passt zur letzten Woche: Crazy Market – crazy prices. Und hat wohl am Montag für die eine oder andere schlaflose Nacht gesorgt…

KreditKRISE? – KreditBLOCKADE!

Nun, die letzte Woche hat Stoff für unzählige Posts im financeBLOG geliefert. Ich gebe mir Mühe, auf Beobachtungen hinzuweisen, die nicht bereits in den Tagesmedien “plattgewalzt” wurden.

Commercial Paper Spread

Commercial Paper Spread

Schier Unglaubliches hat sich in den kurzfristigen Geldmarktzinsen in USD zugetragen. Teilweise haben sich die Zinssätze für Overnight-Anlagen verdoppelt. Der Aufschlag in den Commercial Papers hat sich Mitte Woche mehr als verdreifacht. Kurzfristige Anlagen oder Kredite waren also nicht einfach knapp, sondern schlicht unmöglich. Der Chart stellt die Entwicklung des Risikoaufschlags in den Commercial Papers von US-Unternehmen ohne Banken (Finanzwerte) dar. Normalerweise werden diese Kredite den Unternehmen von Geldmarktfonds zur Verfügung gestellt. Dies erklärt auch, wieso die erste konkrete Rettungsmassnahme neben dem “Bailout” einzelner Gesellschaften der Unterstützung von Geldmarktfonds galt. Die Kreditkrise hatte sich Kurzfristig zu einer Kreditblockade ausgeweitet!

Commercial Papers sind in den USA ein wichtiges Geldmarktinstrument, um die kurzfristige Liquidität zu steuern. Üblicherweise werden Commercial Papers von erstklassigen Schuldnern herausgegeben oder die Forderungen werden mit Wertpapieren besichert (asset backed).

Fannie & Freddie: Das wird sehr eng

Fannie Mae (FNM) und Freddie Mac (FRE) sind zwei staatlich geförderte Unternehmen und als reine Hypotheken-Banken tätig. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung werden die Hypotheken nicht vom Staat garantiert oder refinanziert. Nur gefördert. Bis jetzt. Die beiden Institute gehören weltweit zu den grössten Schuldnern und haben im Verlauf des Immobilienbooms in den USA Hypotheken im Umfang von USD 5.2 Billionen gewährt. Das sind USD 5’200’000’000’000. Falls 1% der Hypothekarschuldner nicht mehr zahlungsfähig sind, führt dies zu einem Verlust von USD 52 Mrd.!

Fannie Mae - Weekly Chart

Fannie Mae - Weekly Chart

Dieses Wochenende wird eine Information von US-Finanzminister Henry Paulson zur Krise um Fannie und Freddie erwartet. Er wird mitteilen, dass Fannie & Freddie verstaatlicht werden, die beiden CEO verlassen die Institute. Dieser Schritt ist nötig, weil es bei der enormen Verschuldung kaum nicht möglich sein wird, das benötigte Kapital an den Finanzmärkten aufzutreiben. Von welchen Dimensionen sprechen wir?

Im US-Kongress werden die Verluste auf USD 25 Mrd. geschätzt. Falls sich die Häuserpreise auf den aktuellen Niveaus stabilisieren… Unabhängige Analysten schätzen bis zu USD 50 Mrd. Warum? Die oben erwähnten Hypotheken von USD 5.2 Billionen werden gedeckt von USD 36 Mrd. Vorzugs-Aktienkapital sowie USD 19 Mrd. nachrangigem Fremdkapital.

Für eine Rettungsaktion der beiden Institute müsste man USD 25-50 Mrd. Kapital aufbringen. Dies könnte mit Vorzugsaktien geschehen. Leider wären die bereits ausgegebenen Vorzugsaktien aber wertlos und müssten in den Bankbilanzen der Inhaber abgeschrieben werden. Nicht einfach, wenn man bedenkt, dass es US-Banken gibt, die mehr als 20% ihrer Vermögen in FNM oder FRE investiert haben. Diese kleineren und mittleren Geschäftsbanken würden solche Abschreiber nicht verdauen und selbst in noch grössere Turbulenzen geraten. Übrigens: grosse Beteiligungen von Banken an Fannie & Freddie wurden vom Kongress mit speziellen Steueranreizen gefördert…

Die erwähnten USD 19 Mrd. Fremdkapital würden nicht bedient. Dies würde zahlreiche CDS (Credit Default Swaps) auslösen. Versicherungen also, die abgschlossen wurden, um sich vor der Insolvenz von FNM oder FRE zu schützen. Mittels CDS wurden Versicherungen gegen Insolvenz von Fannie & Freddie im Umfang von USD 62 Billionen abgeschlossen. Die Versicherungssumme ist damit 12mal grösser als die ausstehenden Schulden. Auch wenn man diese Summe halbiert (Käufer/Verkäufer), bleiben enorme Beträge “versprochen”. Da CDS nicht an einer öffentlichen Derivate-Börse gehandelt werden/wurden, dürfte es nicht einfach sein, den schlussendlich “letzten” Versicherungsgeber ausfindig zu machen und den Schaden einzufordern.

Morgan Stanley hat von Henry Paulson den Auftrag bekommen, Lösungsvarianten für die Krise um Fannie & Freddie zu erarbeiten. Stressiger Job in diesem Team…

USD-Aufwärtstrend – “Gekommen, um zu bleiben!”

Seit mehr als zwanzig Jahren beobachte ich Finanzmärkte. Dabei ist mir aufgefallen, dass es immer wieder Situationen gibt, in denen die Marktteilnehmer äusserst einseitig positioniert sind. Man hat das Gefühl, dass “alle” die gleiche Meinung haben. Dies geschieht in unregelmässigen Zeitabständen und in allen Märkten, egal ob es sich um Aktien, Rohstoffe, Währungen oder Zinsen handelt. Solche Signale sind für mich zuverlässiger als alle erdenklichen Research-Reports von Ökonomen oder anderen selbsternannten Experten.

Der US Dollar hat uns im Frühling eine solche Situation präsentiert. Wer von Ihnen hätte bei einem Kurs von 0.98 (gegen CHF) noch einen “Pfifferling” auf den Dollar gewettet? Die ganze Welt war sich einig, dass die enormen Zwillingsdefizite der USA (Budgetdefizit und Handelsbilanzdefizit) zu einem weiter sinkenden USD führen müssen. Mit wem ich auch gesprochen habe, niemand hatte ein gutes Wort für den Greenback übrig. Ein deutliches Signal.

Nun, in solchen Situationen kommt es immer anders als die Masse glaubt. Es gilt zu bedenken, dass die Finanzmärkte alles tun, um uns schlecht aussehen zu lassen. Nach einer längeren Phase mit seitwärts tendierenden Kursen und einigen zaghaften Versuchen, die Hürde von 1.05 zu überwinden, hat nun letzte Woche der “Ausbruch” stattgefunden. Da viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuss erwischt wurden, ist die Bewegung entsprechend heftig ausgefallen. Der USD hat gegen die meisten Währungen – allen voran EUR, GBP und CHF – die grösste wöchentliche Kurssteigerung seit mehr als drei Jahren

Investoren sollten das weitere Aufwärtspotential des USD keinesfalls unterschätzen! Der junge Aufwärtstrend hat letzte Woche beschleunigt und es ist gut möglich, dass wir hier Zeugen von einer längerfristigen Trendumkehr werden. Es würde mich nicht überraschen, wenn der USD gegen CHF sehr rasch die Hürde von 1.10 nehmen würde. EUR-Bullen könnten enttäuscht werden. Der Euro (heute bei 1.50) kann noch in diesem Jahr problemlos auf 1.40 fallen.

Quelle: Chart UBS, eigener Text

Nimmt das “Leben auf Pump” in den USA ein Ende?

Jahrelang haben die Amerikaner Dinge gekauft, die sie nicht brauchen. Mit Geld, das sie nicht hatten. Dies hat zu einer Reduktion der Sparquote während den letzten Jahrzehnten geführt. Der Tiefpunkt wurde mit -2.3% im August 2005 erreicht. Siehe dazu auch Vermögenseffekt der Amerikaner.

Legen die Amerikaner wieder etwas beiseite?

Legen die Amerikaner wieder etwas beiseite?

Nun Zeichnet sich eine Trendwende ab. Die Sparquote mag mit 5% im Mai 2008 etwas übertrieben sein. Tatsache ist aber, dass die von der US-Regierung verteilten Steuerchecks nicht einfach ver-konsumiert wurden wie in den letzten Jahren. Sie wurden – man kann’s kaum glauben – teilweise auf die Bank gebracht und zur Seite gelegt. Ja, gespart. Ein Verhalten, dass für viele Amerikaner bis vor kurzem undenkbar war und die Regierung vor neue Probleme stellt. Der neue Nicht-Konsum reisst wegen Steuerausfällen grosse Löcher in die bereits arg defizitären Staatskassen. Der Steuer-Stimulus verfehlt möglicherweise den gewünschten Effekt.

Quelle: Elliott Wave Financial Forecast, August 2008

Der Euro ist (viel) zu teuer

Die Kaufkraftparitätentheorie (engl. Purchasing Power Parity PPP) besagt, dass die Wechselkurse zwischen zwei Währungen hauptsächlich deshalb schwanken, um Preisniveauunterschiede auszugleichen. Nach der Theorie muss eine Geldeinheit in allen Ländern die gleiche Kaufkraft haben, sie muss überall den gleichen realen Wert besitzen. Demzufolge passen sich Wechselkurse so an, dass zwischen beiden Währungsräumen Kaufkraftparität herrscht.

Kurzfristig kann ein Wechselkurs stark von der Parität abweichen. Für einen Investor mit mittelfristigem Zeithorizont (5 Jahre) gibt sie aber immer wieder verlässliche Signale. Wie die untenstehende Grafik zeigt, weisen Wechselkurse klare “mean reversion”-Merkmale auf. Sie gleichen sich in unregelmässigen Abständen dem langfristigen Durchschnitt oder hier der Parität an.

Die Grafik zeigt auch, dass der Euro – gemäss dieser Theorie – hoffnungslos überbewertet ist. Vergleicht man die aktuellen Kurse mit der Kaufkraftparität, so lässt sich eine Überbewertung von mehr als 20% feststellen. Dies liefert für kurzfristige Trades keine verlässlichen Informationen. Mittelfristig sollten aber EUR-Positionen in Bonds eher in USD-Bonds umgeschichtet werden.

Buy and hold? – Wohl kaum…

Aktien kaufen, liegen lassen, dann stellt sich die Rendite schon ein… wenn man lange genug wartet.

Ganz so einfach ist es nicht, auch wenn dies viele Anlageberater immer wieder behaupten! Der langfrisitige Erfolg von Aktieninvestitionen hängt stark vom Zeitpunkt der Erstinvestition ab. Lanfristige Aktienrenditen korrelieren stark mit PE’s (Price/Earnings-Ratio, Kurs-/Gewinnverhältnis). Wenn die Käufe bei tiefen PE’s getätigt werden, wird die Rendite in den nächsten zehn Jahren deutlich höher sein als bei hohen PE’s.

Diese Grafik verdeutlicht dies: Die Bewertung des S&P500-Index (gemessen an PE’s zum Zeitpunkt der Erstinvestition) wurde in fünf Gruppen aufgeteilt. Anschliessend wurde berechnet, wieviel die jährliche Rendite in den folgenden zehn Jahren betrug. Eine Investition in den Aktienindex zu tiefsten PE’s resultierte in erfreulichen 11% (durchschnittliche Jahresrendite). Eine Investition zum teuersten Zeitpunkt (höchste PE’s) erbrachte gerade einmal 3.2%

Fazit: Wir liegen heute im Bereich der teuersten PE-Gruppe im S&P500-Index. Heutige Aktienkäufe dürften demnach in den nächsten zehn Jahren bestenfalls durchschnittliche Renditen abwerfen. Einmal mehr weise ich darauf hin, dass die Aktienmärkte zwischen “optimistisch, euphorisch, teuer (hohe PE’s)” und “pessimistisch, verängstigt, günstig (tiefe PE’s)” hin und her schwanken. Vorsicht: tief bedeutet nicht günstig! Es geht hier um sehr langfristige, übergeordnete Trends, ein ganzer Zyklus kann 30-40 Jahre dauern. Der günstige Einstiegszeitpunkt – basierend auf Bewertungen (PE’s) – ist noch nicht erreicht.

Quelle: John Mauldin, 20.6.08, Plexus Asset Management

Wealth effect – Die Amis shoppen weiter…

Die Amerikaner haben sich in den letzten Jahren zu wahren Konsumkönigen entwickelt. Unter dem Motto “Shop ’till you drop” stürmen sie die Warenhäuser und kaufen Dinge die sie nicht brauchen mit Geld, das sie nicht haben…

Mittlerweile macht der private Konsum rund 70% des US-BIP aus und die Sparquote wies für einige Monate eine NEGATIVE Zahl aus. Dies bedeutet, dass der durchschnittliche Amerikaner mehr als seinen Monatslohn verprasst. Wie soll dies möglich sein?

Zur Erklärung wird gerne der “wealth effect” (Vermögenseffekt) herangezogen. Es wird argumentiert, dass (mehr als) der ganze Monatslohn ausgegeben werden kann, weil das private Vermögen aufgrund von steigenden Aktienkursen und Immobilienpreisen trotzdem zunimmt. Hätten diese Preissteigerungen nicht statt gefunden, wären der private Konsum und damit das BIP tiefer ausgefallen.

Die Grafik zeigt nun die eigentlichen Unterschiede auf. Es fällt auf, dass die Amerikaner ohne den Vermögenseffekt (rot) 2001 und 2002 in einer Rezession gewesen wären, gefolgt von mässigem, deutlich unter Potenzial liegendem Wachstum. Die sehr gut laufende US-Wirtschaft der letzten Jahre wurde also vorwiegend durch steigende Werte am Aktienmarkt und im Immobiliensektor ermöglicht. Nun ist auch klar, warum zahlreiche Marktteilnehmer in den USA wegen fallenden Immobilien- und Aktienpreisen eine Rezession oder zumindest eine längere Periode mit unterdurchschnittlichem Wachstum erwarten.

Quelle: John Mauldin, 18.4.08

Es zieht und zerrt im Euro

Eine Währung – ein Zinssatz. Oder etwa nicht?

Allgemein wird die Rendite einer Staatsanleihe mit einer Laufzeit von 10 Jahren als Benchmark oder Referenzrendite für eine Währung betrachtet. Wie sieht’s im EURO aus? Im vor einigen Jahren künstlich ins Leben gerufenen Währungskorb gibt’s Staatsanleihen und Staatsanleihen. So muss Italien fast ein halbes Prozent mehr bezahlen als Deutschland, wenn es einen Kredit mit einer Laufzeit von zehn Jahren beanspruchen will. Sollte eigentlich gar nicht sein! Dies kann als kleines Misstrauensvotum der Finanzmärkte betrachtet werden. Die Marktteilnehmer glauben nicht an ein “Bailout” von Italien. Sie glauben nicht an einen solidarischen Umgang der EURO-Länder.

Im Extremfall signalisiert der Markt hier ein Auseinanderbrechen des EUROs oder zumindest das Austreten einzelner Länder aus dem Währungskorb. In diesem Zusammenhang werden immer wieder die PIGS-Länder erwähnt. Sollte keinesfalls ins englische übersetzt werden… sondern steht für Portugal Italien Griechenland Spanien – die ehemaligen Weichwährungs-Länder. Der EURO und die Europäische Zentralbank stehen womöglich vor der ersten grösseren Bewährungsprobe. Und dies zum Zeitpunkt, wo der EURO im Verhältnis zum USD deutlich überbewertet ist. Es ist wohl an der Zeit, einzelne EURO-Obligationen in USD-Obligationen (kurze Laufzeiten, nur beste Schuldnerqualität) umzutauschen.

Quelle: John Mauldin, 30.5.08, Reuters EcoWin

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