Rettungsaktion Fannie & Freddie: Mein Kommentar

Im Post vom Samstag (Fannie & Freddie – Das wird sehr eng) wurde die Situation um die beiden Hypothekarinstitute detailliert erläutert. Es wurde deutlich gemacht, dass eine Rettungsaktion ohne “Verstaatlichung” bei den aktuellen Finanzmärkten nicht möglich sein wird. Heute wissen wir mehr:

Kurz vor dem Aus
Die Federal Housing Finance Agency (FHFA) stellte die ungenügende Kapitalausstattung fest. Die Erfüllung des gesetzlichen Auftrags – den Markt für Eigenheimhypotheken liquide zu halten – sei nicht mehr möglich. Es gab also gar keine echte Alternative, die Schockwellen durch die internationalen Finanzmärkte wären enorm ausgefallen!

Eigenkapital
Die Eigenmittel werden mittels Vorzugsaktien (senior preferred stock) aufgestockt. Sofort USD 1 Mrd. (der berühmte Tropf auf den heissen Stein), später bis USD 100 Mrd. (now we’re talking, es braucht mindestens USD 50 Mrd.) Bestehende Vorzugsaktien werden hinter den Staatsaktien stehen, müssen also Verluste als erste Decken. Dies dürfte für viele mittelgrosse US-Banken nicht problemlos sein, führen sie doch in den eigenen Büchern sehr grosse Bestände an Vorzugsaktien von FNM und FRE. Wir müssen hier mit weiteren Abschreibungen rechnen.

Fremdkapital
Gläubiger von “normalen” Obligationen werden geschützt. Auch dies keine Überraschung für Leser des financeBLOG. Die Lawine an ausgelösten CDS-Forderungen (Credit Default Swaps) wäre nicht zu bewältigen. Auch Besitzer von nachrangigen Anleihen werden geschützt.

Zukunft
Ab 2010 müssen die beiden Institute ihre Bilanzsumme jährlich um 10% reduzieren (Deleveraging), von USD 850 Mrd. auf USD 250 Mrd. Auch wenn dies zur Zeit nicht kommuniziert wird, kann damit gerechnet werden, dass die beiden übergrossen Institute (too big to fail) schlussendlich in mehrere kleinere aufgebrochen werden.

Finde ich diese Aktion gut?
Nein. Mit Steuergeldern muss der Staat für unglaubliche Führungsmängel seitens des Managements aber auch seitens des US-Kongresses gerade stehen. Die ganze Diskussion um Sozialisierung von Verlusten bei Privatisierung von Gewinnen und um “Moral Hazard” wird aufgefrischt.

Bin ich froh, dass der US-Staat so reagiert?
Oh ja! Wie bei der “Rettung” von Bear Stearns sehen alle Marktteilnehmer, dass ALLES, WAS GETAN WERDEN KANN, auch getan wird, um die weltweite Kreditkrise in den Griff zu bekommen. Die Alternative, eine Systemkrise im globalen Finanzsystem, hätte für dich und mich schlimmere Konsequenzen.

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