Risikomanagement – Eine „Milchbüchleinrechnung“

Wer an den Finanzmärkten tätig ist, wird immer wieder mit der Frage nach einem „heissen Tipp“ konfrontiert. Alle Erklärungen, dass „heisse Tipps“ nichts mit seriösem Investieren zu tun haben, stossen auf taube Ohren. „Spielt doch keine Rolle“, hört man dann, „alles oder nichts.“ Ich rate diesen Personen dann jeweils, doch besser im Casino „alles oder nichts“ zu spielen. Sollte die gleiche Unterhaltung bringen, und man bekommt noch einen Drink dazu. Mit investieren hat dies nichts zu tun.

Wer investiert, will sein Geld vermehren. Der erste Schritt dazu: das Geld nicht verlieren!

Eine einfache Rechnung zeigt dies auf. Wenn ich 100 investiere und einen Verlust von -20% erleide, habe ich noch 80. Damit diese 80 wieder auf 100 steigen, brauche ich eine positive Rendite von +25%.

Einige Beispiele:

Erzielter Verlust Benötigter Gewinn 5% p.a. 10% p.a. 15% p.a.
-20% +25% 4.6 Jahre 2.3 Jahre 1.6 Jahre
-25% +33.3% 5.9 Jahre 3.0 Jahre 2.1 Jahre
-40% +66.7% 10.5 Jahre 5.4 Jahre 3.7 Jahre

Bei einer jährlichen Rendite von 5% brauche ich 4.6 Jahre, bis ich wieder am Ausgangspunkt (also null Rendite!) angelangt bin.

Diese Tabelle macht auch deutlich, warum man grosse Verluste unbedingt vermeiden sollte. Einzelne Aktien (Grossbanken lassen grüssen…) oder ganze Märkte (Nasdaq nach dem Platzen der Internet-Bubble) können immer wieder -40% verlieren. Sogar bei einem sehr positiven Szenario von +15% Rendite in den Folgejahren dauert es 3.7 Jahre, bis das eingesetzte Kapital wieder erreicht ist. Die entgangenen risikolosen Zinsen während dieser Zeit nicht eingerechnet.

Konfrontieren Sie Ihren Anlageberater mit dieser Tabelle, wenn er Ihnen beim nächsten Gespräch erläutert, dass Sie laaangfristig investieren sollen, buy & hold, und dass Markttiming nichts bringt…

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