Der Euro ist (viel) zu teuer

Die Kaufkraftparitätentheorie (engl. Purchasing Power Parity PPP) besagt, dass die Wechselkurse zwischen zwei Währungen hauptsächlich deshalb schwanken, um Preisniveauunterschiede auszugleichen. Nach der Theorie muss eine Geldeinheit in allen Ländern die gleiche Kaufkraft haben, sie muss überall den gleichen realen Wert besitzen. Demzufolge passen sich Wechselkurse so an, dass zwischen beiden Währungsräumen Kaufkraftparität herrscht.

Kurzfristig kann ein Wechselkurs stark von der Parität abweichen. Für einen Investor mit mittelfristigem Zeithorizont (5 Jahre) gibt sie aber immer wieder verlässliche Signale. Wie die untenstehende Grafik zeigt, weisen Wechselkurse klare “mean reversion”-Merkmale auf. Sie gleichen sich in unregelmässigen Abständen dem langfristigen Durchschnitt oder hier der Parität an.

Die Grafik zeigt auch, dass der Euro – gemäss dieser Theorie – hoffnungslos überbewertet ist. Vergleicht man die aktuellen Kurse mit der Kaufkraftparität, so lässt sich eine Überbewertung von mehr als 20% feststellen. Dies liefert für kurzfristige Trades keine verlässlichen Informationen. Mittelfristig sollten aber EUR-Positionen in Bonds eher in USD-Bonds umgeschichtet werden.

Buy and hold? – Wohl kaum…

Aktien kaufen, liegen lassen, dann stellt sich die Rendite schon ein… wenn man lange genug wartet.

Ganz so einfach ist es nicht, auch wenn dies viele Anlageberater immer wieder behaupten! Der langfrisitige Erfolg von Aktieninvestitionen hängt stark vom Zeitpunkt der Erstinvestition ab. Lanfristige Aktienrenditen korrelieren stark mit PE’s (Price/Earnings-Ratio, Kurs-/Gewinnverhältnis). Wenn die Käufe bei tiefen PE’s getätigt werden, wird die Rendite in den nächsten zehn Jahren deutlich höher sein als bei hohen PE’s.

Diese Grafik verdeutlicht dies: Die Bewertung des S&P500-Index (gemessen an PE’s zum Zeitpunkt der Erstinvestition) wurde in fünf Gruppen aufgeteilt. Anschliessend wurde berechnet, wieviel die jährliche Rendite in den folgenden zehn Jahren betrug. Eine Investition in den Aktienindex zu tiefsten PE’s resultierte in erfreulichen 11% (durchschnittliche Jahresrendite). Eine Investition zum teuersten Zeitpunkt (höchste PE’s) erbrachte gerade einmal 3.2%

Fazit: Wir liegen heute im Bereich der teuersten PE-Gruppe im S&P500-Index. Heutige Aktienkäufe dürften demnach in den nächsten zehn Jahren bestenfalls durchschnittliche Renditen abwerfen. Einmal mehr weise ich darauf hin, dass die Aktienmärkte zwischen “optimistisch, euphorisch, teuer (hohe PE’s)” und “pessimistisch, verängstigt, günstig (tiefe PE’s)” hin und her schwanken. Vorsicht: tief bedeutet nicht günstig! Es geht hier um sehr langfristige, übergeordnete Trends, ein ganzer Zyklus kann 30-40 Jahre dauern. Der günstige Einstiegszeitpunkt – basierend auf Bewertungen (PE’s) – ist noch nicht erreicht.

Quelle: John Mauldin, 20.6.08, Plexus Asset Management

Wealth effect – Die Amis shoppen weiter…

Die Amerikaner haben sich in den letzten Jahren zu wahren Konsumkönigen entwickelt. Unter dem Motto “Shop ’till you drop” stürmen sie die Warenhäuser und kaufen Dinge die sie nicht brauchen mit Geld, das sie nicht haben…

Mittlerweile macht der private Konsum rund 70% des US-BIP aus und die Sparquote wies für einige Monate eine NEGATIVE Zahl aus. Dies bedeutet, dass der durchschnittliche Amerikaner mehr als seinen Monatslohn verprasst. Wie soll dies möglich sein?

Zur Erklärung wird gerne der “wealth effect” (Vermögenseffekt) herangezogen. Es wird argumentiert, dass (mehr als) der ganze Monatslohn ausgegeben werden kann, weil das private Vermögen aufgrund von steigenden Aktienkursen und Immobilienpreisen trotzdem zunimmt. Hätten diese Preissteigerungen nicht statt gefunden, wären der private Konsum und damit das BIP tiefer ausgefallen.

Die Grafik zeigt nun die eigentlichen Unterschiede auf. Es fällt auf, dass die Amerikaner ohne den Vermögenseffekt (rot) 2001 und 2002 in einer Rezession gewesen wären, gefolgt von mässigem, deutlich unter Potenzial liegendem Wachstum. Die sehr gut laufende US-Wirtschaft der letzten Jahre wurde also vorwiegend durch steigende Werte am Aktienmarkt und im Immobiliensektor ermöglicht. Nun ist auch klar, warum zahlreiche Marktteilnehmer in den USA wegen fallenden Immobilien- und Aktienpreisen eine Rezession oder zumindest eine längere Periode mit unterdurchschnittlichem Wachstum erwarten.

Quelle: John Mauldin, 18.4.08

Es zieht und zerrt im Euro

Eine Währung – ein Zinssatz. Oder etwa nicht?

Allgemein wird die Rendite einer Staatsanleihe mit einer Laufzeit von 10 Jahren als Benchmark oder Referenzrendite für eine Währung betrachtet. Wie sieht’s im EURO aus? Im vor einigen Jahren künstlich ins Leben gerufenen Währungskorb gibt’s Staatsanleihen und Staatsanleihen. So muss Italien fast ein halbes Prozent mehr bezahlen als Deutschland, wenn es einen Kredit mit einer Laufzeit von zehn Jahren beanspruchen will. Sollte eigentlich gar nicht sein! Dies kann als kleines Misstrauensvotum der Finanzmärkte betrachtet werden. Die Marktteilnehmer glauben nicht an ein “Bailout” von Italien. Sie glauben nicht an einen solidarischen Umgang der EURO-Länder.

Im Extremfall signalisiert der Markt hier ein Auseinanderbrechen des EUROs oder zumindest das Austreten einzelner Länder aus dem Währungskorb. In diesem Zusammenhang werden immer wieder die PIGS-Länder erwähnt. Sollte keinesfalls ins englische übersetzt werden… sondern steht für Portugal Italien Griechenland Spanien – die ehemaligen Weichwährungs-Länder. Der EURO und die Europäische Zentralbank stehen womöglich vor der ersten grösseren Bewährungsprobe. Und dies zum Zeitpunkt, wo der EURO im Verhältnis zum USD deutlich überbewertet ist. Es ist wohl an der Zeit, einzelne EURO-Obligationen in USD-Obligationen (kurze Laufzeiten, nur beste Schuldnerqualität) umzutauschen.

Quelle: John Mauldin, 30.5.08, Reuters EcoWin

Inflation – Unterschiedliche Messmethoden

Wer sich heute mit den Finanzmärkten befasst, kommt um die Inflation nicht herum. Wie hoch ist sie  tatsächlich? Wie setzt sich der Warenkorb zusammen? Was soll die Publikation der Kernrate, bei deren Berechnung Energie- und Nahrungsmittelpreise ausgeklammert werden (hallo!)

In diesem Zusammenhang ist diese Grafik äusserst interessant. Die Berechnungsmethode der jährlichen Inflationsrate wurde in den USA mehrmals “den aktuellen Gegebenheiten angepasst”. Zur Zeit wird die jährliche Inflation mit 4% angegeben, die Kernrate mit rund 2.5% (to whom it may concern…). Wendet man die Berechnungsmethodik an, welche bis 1998 gültig war, liegt die Inflation bei 7.3%. Noch höher, nämlich bei 11.6% liegt die Rate, wenn die Berechnungsmethodik der Vor-1983-Ära angewendet wird.

Interessante Anpassungen wenn man bedenkt, wieviele Renten oder sonstige staatliche Zahlungen an die Teuerungsrate gekoppelt sind. Wie “verpolitisiert” ist die Inflationsberechung wirklich? Auch die Diskussion in der Schweiz über die Entkoppelung der Mieten vom Hypothekarzins und die vorgeschlagene Alternative der Anbindung an einen Teuerungsindex bekommt vor diesem Hintergrund mehr Brisanz. Wie wird dieser Teuerungsindex berechnet, wer sorgt für Zusammensetzung und Transparenz?

Quelle: John Mauldin, 16.5.08, Shadow Government Statistics

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